Architekt Gerl Logo

Effizienzhäuser

Der Begriff Effizienzhaus ist ein Energiestandard für Wohngebäude, den die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eingeführt hat. Effizienzhäuser sind Gebäude, die sich durch eine besonders energieeffiziente Bauweise und Gebäudetechnik auszeichnen und die eine höhere Energieeffizienz erreichen als vom Gesetzgeber vorgeschrieben.
 
Gemessen wird die Energieeffizienz eines Gebäudes anhand des Jahresprimärenergiebedarfs (einen großen Einfluss hat hier die Heiz- und Lüftungstechnik, also der Energiebedarf für Heizen, Lüften und Warmwasserbereitung) und des Transmissionswärmeverlusts (Wärmeverlust durch die Gebäudehülle; ausschlaggebend ist hierbei vor allem die Qualität der Gebäudehülle wie Dämmung und Fenster). Für diese Kennzahlen werden in der Energieeinsparverordnung (EnEV) auf der Basis einen sogenannten Referenzhauses Höchstwerte errechnet, die ein vergleichbarer Neubau einhalten muss.
 
Das Referenzhaus besteht aus der baulichen Hülle (Wände, Dach, Kellerdecke etc.) des zu berechnenden Gebäudes, die dann mit den U-Werten aus der EnEV, Anlage 1, Tabelle 1 versehen werden. Außerdem erhält das Referenzhaus die dort vorgegebenen Wärmebrückenbeiwerte und die Haustechnik.
 
Aus dem Vergleich zwischen vorhandenem Gebäude und Referenzhaus erfolgt auch die Zuordnung in die verschiedenen KfW-Förderstandards.
 
Effizienzhäuser gibt es in verschiedenen Energiestandards. Als Ausgangspunkt gelten die Vorgaben der EnEV. Dabei wird die Energieeffizienz eines Gebäudes mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwert für Neubauten verglichen und in Effizienzklassen eingestuft: vom Effizienzhaus 40 bis zum Effizienzhaus 115.
 
Die Zahlen sind Prozent-Zahlen. Sie geben an, wie hoch der Jahresprimärenergiebedarf in Relation zu einem vergleichbaren Neubau ist, also wie weit das Haus die gesetzlichen Vorgaben für einen Neubau unterschreitet. Bei Altbauten ist nach EnEV eine Überschreitung bis zu einem Faktor von 1,4 (140%) zulässig, da es bei Altbauten augrund der bestehenden Randbedingungen (Orientierung, Bauweise, ggf. Denkmalschutz etc.) meist schwieriger ist, die durch das Referenzhaus bestimmten Vorgaben einzuhalten.
 
Je kleiner die Zahl desto energiesparender ist das Haus. Ein Effizienzhaus 100 benötigt genauso viel Energie wie der Standard-Neubau, also 100 Prozent. Einen geringeren Energiebedarf hat ein Effizienzhaus 40, das nur 40 Prozent des Neubauwerts verbraucht. Da es bei Altbauten deutlich schwieriger ist, die vorgegebenen Grenzwerte für Neubauten zu unterschreiten, fördert die KfW bei der energetischen Sanierung auch Gebäude, die die Neubauvorgaben erfüllen (Effizienzhaus 100) beziehungsweise zu einem gewissen Prozentsatz überschreiten.
 
Hinweis: Dier Erläuterung der Fachbegriffe finden Sie hier: Glossar.
 
Hier eine Übersicht über die Energiestandards im Effizienzhaus (Stand 11/2014):
 

Effizienzhausstandard

Primärenergiebedarf
(in % des Referenzhauswertes)

Transmissionswärmeverlust
(in % des Referenzhauswertes)

40   1), 3)

40

55

55   1), 3)

55

70

70   1)

70

85

nur Sanierung: 85

85

100

nur Sanierung: 100

100

115

nur Sanierung: 115

115

130

nur Sanierung:
Effizienzhaus Denkmal   2)

160

175


 
1): Bei diesem Effizienzhausniveau ist eine Luftdichtheitsprüfung durchzuführen.
 
2) Besonderheiten bei Sanierung zum KfW-Effizienzhaus Denkmal KfW-Effizienzhaus Denkmal:
- Bestehen für ein Gebäude oder Teilbereiche eines Gebäudes Auflagen des Denkmalschutzes bzw. zum Schutz besonders erhaltenswerter Bausubstanz, ist im Rahmen der zulässigen und gemäß den Auflagen verbleibenden Möglichkeiten eine energetische Fachplanung durchzuführen.
- Für die energetische Optimierung des Jahres-Primärenergiebedarfs (QP) ist der Einsatz von erneuerbaren Energien zu prüfen.
- Werden bei der energetischen Fachplanung die Zielwerte eines Jahres-Primärenergiebedarfs (QP) von 160 % und/oder eines Transmissionswärmeverlusts (HT) von 175 % aufgrund von Auflagen des Denkmalschutzes bzw. zum Schutz sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz oder auch aus bauphysikalischen Gründen nicht erreicht, ist eine Förderung für ein KfW-Effizienzhaus Denkmal dennoch möglich. Voraussetzung für die Förderung ist die Bestätigung des Sachverständigen, dass aufgrund von Auflagen des Denkmalschutzes oder zum Schutz sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz nur das jeweils erreichte energetische Niveau möglich ist.
- Im Übrigen gelten für Gebäudeteile ohne Auflagen des Denkmalschutzes bzw. zum Schutz sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz die Anforderungen der EnEV.
 
3): Bei diesem Effizienzhausniveau ist eine Baubegleitung durch einen Sachverständigen erforderlich.
 
Bei einem Neubau oder einer Sanierung zu einem Effizienzhaus muß generell
 
1. ein Sachverständiger beauftragt werden, der die energetische Fachplanung übernimmt. Außerdem erstellt er die "Online-Bestätigung zum Antrag" und - nach Durchführung der Maßnahmen - die "Bestätigung nach Durchführung" für die KfW. Der Sachverständige muß in die Expertenliste für die Förderprogramme des Bundes www.energie-effizienz-experten.de eingetragen sein. Die Kosten für den Sachverständigen werden von der KfW gefördert.
 
2. ein Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage durchgeführt werden.
 
Obwohl seit dem 1. Mai 2014 die novellierte Energieeinsparverordnung EnEV 2014 gilt, treten verschärfte energetische Vorgaben für Neubauten erst ab dem 1. Januar 2016 in Kraft. Deshalb gelten für die Effizienzhaus-Förderung bisher noch die Neubau-Vorgaben der EnEV 2009.
 
Zusätzlich zu diesen Förderstandards der KfW gibt es außerdem das Gütesiegel "Effizienzhaus" der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) in den verschiedenen Effizienzhaus-Standards. Es muß nach Durchführung der Bauarbeiten separat (und gegen eine Gebühr) beantragt werden. Der Nachweis erfolgt über einen Energieausweis mit Dena-Gütesiegel oder einen energieausweis, dessen Gleichwertigkeit durch einen Fachmann bestätigt wurde. Das Siegel bestätigt den KfW-Standard durch ein qualitätsgesichertes Verfahren.
 
So sieht es aus:
 
Zertifikat Effizienzhaus 55

Zertifikat Effizienzhaus 55


Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet Bauherren und Hausbesitzern zinsgünstige Kredite und Zuschüsse für die energetische Sanierung und den energieeffizienten Neubau von Wohnimmobilien - derzeit mit den folgenden Programmen:
 
- "Energieeffizient Bauen" (Programm 153, Bau und Ersterwerb eines KfW-Effizienzhauses, Kredit)
- "Energieeffizient Sanieren" (Programm 151, Kredit)
- "Energieeffizient Sanieren" (Programm 167, Ergänzung Heizungsumstellung, Kredit)
- "Energieeffizient Sanieren" (Programm 430, Zuschuß)
- "Energieeffizient Sanieren" (Programm 431, Baubegleitung, Zuschuß)

 
Für erneuerbare Energien:
- "Erneuerbare Energien - Standard - Photovoltaik" (Programm 274, Kredit)
- "Erneuerbare Energien - Speicher" (Programm 275, Kredit)

 
Darüber hinaus können auch diese Programme interessant sein:
- "KfW-Wohnungseigentumsprogramm" (Programm 124, Finanzierung selbstgenutzten Wohneigentums)
- "Altersgerecht umbauen" (Programm 159, Kredit)
- "Altersgerecht umbauen" (Programm 455, Zuschuß)

 
Stand: 11/2014
 
Die Höhe der Förderung ist abhängig von der erreichten Energieeffizienz des Gebäudes.
 
Um eine KfW-Förderung für ein Effizienzhaus zu erhalten, muss ein Energieberater / Sachverständiger in das Neubau-Vorhaben beziehungsweise die energetische Sanierung eingebunden werden. Er plant den Neubau bzw. die Sanierungsmaßnahmen und bestätigt die Einhaltung der technischen Mindestanforderungen der KfW (s. o.)


 
links zurück